Luxusbunker-Debakel: Reiche Anwohner bekämpfen sich, noch bevor die Welt untergeht
Von Victor Tangermann Veröffentlicht am
2026/07/24 15:04
Juni. 24, 2026
Immer mehr wohlhabende Menschen investieren in luxuriöse unterirdische Schutzanlagen, um eine mögliche Apokalypse zu überstehen – sei es ein Atomkrieg, der die Erdoberfläche in eine radioaktive Einöde verwandelt, oder eine verheerende Pandemie, die weite Teile der Menschheit auslöscht.
Doch lange bevor ein solcher Weltuntergang überhaupt eintritt, liefern sich die Besitzer luxuriöser Bunkeranlagen bereits erbitterte Auseinandersetzungen. Wie das Wall Street Journal berichtet, eskalieren in einer weitläufigen Prepper-Siedlung in den USA bereits heute Konflikte unter den Bewohnern.
Wie in vielen gewöhnlichen Wohnungseigentümergemeinschaften entzünden sich die Streitigkeiten an alltäglichen Problemen. Ausgerechnet in der als luxuriöser Fünf-Sterne-Bunker vermarkteten Anlage Vivos xPoint im ländlichen South Dakota geraten Investoren und Bewohner immer häufiger aneinander – eine bemerkenswerte Ironie angesichts ihres gemeinsamen Ziels, im Ernstfall gemeinsam das Ende der Welt zu überleben.
Nach Angaben des Betreibers wurde die Anlage konzipiert, um bis zu 1.000 Menschen während eines globalen Katastrophenszenarios Schutz zu bieten. Derzeit ist jedoch, wie das Wall Street Journal berichtet, nur rund ein Drittel der Bunkereinheiten bewohnt. Die einzelnen Einheiten kosten bis zu 55.000 US-Dollar, hinzu kommen Miete sowie laufende Servicegebühren. Trotzdem häufen sich bereits heute Konflikte und Gerichtsverfahren – lange bevor überhaupt eine Katastrophe eingetreten ist.
Die Auseinandersetzungen reichen von Beschwerden über überlaufende Klärgruben bis hin zu freilaufenden Hunden, die Bewohner gebissen haben sollen. Besonders dramatisch eskalierte ein Vorfall, als ein Bewohner, der gemeinsam mit seiner Ehefrau, seiner Tochter und deren vier Kindern in einen Bunker eingezogen war, eine Schusswaffe gegen einen Auftragnehmer von Vivos zog, der mit einem Radlader vor seiner Unterkunft arbeitete. Der Bewohner schoss schließlich auf den Mann und verletzte ihn. Aufgrund des Selbstverteidigungsgesetzes des Bundesstaates South Dakota erhob eine Grand Jury jedoch keine Anklage.
Zusätzlichen Druck erzeugt eine weitere Klage, die im September von mehr als 100 Mietern eingereicht wurde. Darin werfen sie Vivos vor, keine bewohnbaren Unterkünfte bereitgestellt und die Anlagen unzureichend instand gehalten zu haben. Außerdem habe das Unternehmen den Bau eines Fitnessstudios, eines Restaurants, eines Supermarkts sowie weiterer luxuriöser Einrichtungen versprochen – doch bislang sei keines dieser Projekte verwirklicht worden.
Die Ironie dieser Entwicklung ist kaum zu übersehen: Menschen, die sich auf den Zusammenbruch der Zivilisation vorbereiten, geraten schon lange vor einer möglichen Apokalypse über Nachbarschaftsstreitigkeiten, Hausordnungen und Eigentumsfragen aneinander. Noch paradoxer wirkt dabei, dass sie ihre Konflikte vor staatlichen Gerichten austragen – Institutionen, von denen sie im Falle eines tatsächlichen gesellschaftlichen Kollapses offenbar selbst nicht mehr ausgehen.
Sollte dies tatsächlich ein Vorgeschmack darauf sein, wie die privilegiertesten Überlebenden der Menschheit miteinander umgehen, wirft das kein besonders optimistisches Licht auf die Zeit nach einer möglichen Katastrophe.
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