Ein deutsches Dorf steht zum Verkauf
Von Veröffentlicht am
2026/07/16 04:03
Juni. 16, 2026
In einem ungewöhnlichen und äußerst seltenen Schritt wird ein komplettes Dorf auf einer Kleinanzeigenplattform zum Verkauf angeboten – zu einem Preis, der kaum höher ist als der eines gewöhnlichen Einfamilienhauses.
In der Gemeinde Kaulsdorf, nur wenige Kilometer vom Hohenwarte-Stausee entfernt, wartet ein ehemaliges Jugendcamp des Unternehmens Maxhütte auf einen neuen Eigentümer. Der geforderte Kaufpreis für dieses außergewöhnliche Anwesen beträgt lediglich 390.000 Euro.
Das rund 24.000 Quadratmeter große Areal in Thüringen umfasst 15 eingeschossige Steinbauten, von denen jedes eine Fläche von etwa 100 Quadratmetern besitzt. Hinzu kommt ein zentrales Hauptgebäude mit einem ehemaligen Speisesaal von mehr als 300 Quadratmetern.
Das Gelände verfügt über Strom- und Trinkwasseranschlüsse. Das Abwasser wird derzeit über eine Sammelgrube entsorgt. Die Innenausstattung der Gebäude wurde bereits entfernt, sodass sie für umfassende Sanierungs- und Umbauarbeiten vorbereitet sind.
Eingebettet zwischen Wiesen, Wäldern und altem Baumbestand wirkt das Areal bereits heute wie eine kleine Ortschaft. Für den Eigentümer Franz Ebritsch ist genau dieser dörfliche Charakter der größte Vorzug des Geländes. Der selbstständige Landschaftsgärtner und Landschaftspfleger hatte das ehemalige Ferienlager im Jahr 2014 zu einem günstigen Preis erworben.
Gegenüber der weit verbreiteten deutschen Tageszeitung Bild erklärte er: „Wir wollten das Gelände sanieren und neu herrichten. Dabei gingen wir davon aus, dass eine Wohnnutzung genehmigt sei. Das stellte sich jedoch als Irrtum heraus.“
Hinzu kommt, dass für die Gebäude kein rechtlich gesicherter Bestandsschutz hinsichtlich einer dauerhaften Nutzung besteht. Ebritsch erläutert: „Das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt möchte das Gelände nicht für dauerhaftes Wohnen ausweisen.“ Der Grund dafür sei, dass sich das Areal außerhalb der geschlossenen Ortslage befinde und kein neuer Bebauungsplan existiere, der eine Wohnnutzung zulasse.
Der 36-Jährige zeigte sich darüber enttäuscht: „Das Gelände liegt nur etwa 200 Meter vom Ortskern von Kaulsdorf entfernt. In Deutschland wird viel über Reformen gesprochen – doch neue Projekte umzusetzen, ist hier nach wie vor äußerst schwierig.“
Nach Angaben des Eigentümers zeigt sich die Gemeinde grundsätzlich offen für verschiedene Nutzungskonzepte. Jedes künftige Vorhaben müsse jedoch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Ebritsch betont: „Ob ein Investor, eine Gemeinschaft oder eine Einzelperson mit einer außergewöhnlichen Idee kommt – für mich ist entscheidend, dass dieses kleine Dorf wieder zum Leben erwacht.“
Nach seiner Einschätzung bietet das Gelände zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten. Denkbar seien unter anderem ein modernes Wohndorf, ein Gesundheits- und Erholungszentrum, ein generationenübergreifendes Wohnprojekt oder ein Rückzugsort für Menschen, die Natur, Gemeinschaft und eine alternative Lebensweise suchen.
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