Mehr als 4000 Angriffe gegen Muslime: Antimuslimischer Rassismus erreicht neuen Höchststand
Von Dienofretete Veröffentlicht am
2026/07/16 06:09
Juni. 16, 2026
Ein aktueller Bericht des deutschen Netzwerks gegen antimuslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit (CLAIM) zeigt einen deutlichen Anstieg von Angriffen und Übergriffen gegen Muslime in Deutschland im Jahr 2025. Die Organisation warnt eindringlich davor, dass solche Vorfälle in der Gesellschaft zunehmend als Normalität wahrgenommen werden.
Der Bericht dokumentiert insgesamt 4096 antimuslimische Vorfälle, darunter Diskriminierung, Beleidigungen und körperliche Gewalt. Für die Erhebung stützte sich CLAIM auf ein breites Netzwerk von Beratungsstellen und zivilgesellschaftlichen Initiativen in 15 deutschen Bundesländern sowie auf Polizeistatistiken und Medienberichte.
Die Zahlen im Überblick
Verbale Angriffe: Sie machten mit 61 Prozent den größten Anteil der registrierten Fälle aus.
Körperliche und schwere Straftaten: Erfasst wurden 224 körperliche Übergriffe, darunter vier versuchte Tötungsdelikte und zwei vollendete Tötungen. Hinzu kamen 320 Fälle von Sachbeschädigung sowie fünf Brandstiftungen.
Geschlechtsspezifische Angriffe: Muslimische Frauen waren mit 64 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer (34 Prozent).
Der Bericht dokumentiert besonders drastische Beispiele für alltäglichen Rassismus. So wurde eine 52-jährige muslimische Frau in Düsseldorf wegen ihres Kopftuchs brutal angegriffen und schwer verletzt. In Greifswald versuchten Jugendliche, einer jungen Frau das Kopftuch herunterzureißen, während sie mit rassistischen Beschimpfungen beleidigt wurde.
Die Übergriffe beschränken sich laut Bericht nicht nur auf den öffentlichen Raum, sondern reichen auch in Institutionen und Schulen hinein. Der Bericht zitiert die Aussage eines muslimischen Schülers aus Schleswig-Holstein, der von einem anhaltenden psychischen Druck durch seine Lehrerin berichtete. Demnach werde er bei Diskussionen über Terrorismus und Extremismus regelmäßig aufgefordert, seine persönliche Haltung zu erklären und sich ausdrücklich davon zu distanzieren. Dies verstärke ein Klima des Misstrauens und des Generalverdachts aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit.
„Nur die Spitze des Eisbergs“ – viele Fälle bleiben unerfasst
Die Co-Geschäftsführerin von CLAIM, Rima Hanano, warnte davor, die veröffentlichten Zahlen als vollständiges Bild der Lage zu betrachten. Sie bezeichnete sie lediglich als „Spitze des Eisbergs“ und erklärte, dass die tatsächliche Zahl der nicht gemeldeten Fälle deutlich höher liege. Als Gründe nannte sie unter anderem das schwindende Vertrauen vieler Betroffener in Sicherheitsbehörden, Polizei und staatliche Institutionen.
Hanano verwies zur Unterstützung ihrer Einschätzung auf eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) mit dem Titel „Being Muslim in the EU“. Die Untersuchung zeigt, dass nur vier Prozent der Muslime, die in Europa Diskriminierung oder Beleidigungen erleben, solche Vorfälle tatsächlich melden.
Der Bericht warnt abschließend davor, dass wiederholte negative Erfahrungen und ihre zunehmende Häufigkeit im Alltag langfristig schwerwiegende Folgen haben können. Sie könnten dazu führen, dass Betroffene ihr Sicherheitsgefühl verlieren, Diskriminierung als unvermeidbare Realität akzeptieren und darauf verzichten, rechtliche Schritte gegen Täter einzuleiten.
Dies gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt und kann dazu beitragen, dass sich antimuslimische Einstellungen in der Gesellschaft weiter verfestigen.
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