Deutschland und Österreich forcieren Rückkehr syrischer Geflüchteter
Von Veröffentlicht am
2026/07/17 20:46
Juni. 17, 2026
Zwischen verstärkten Anreizen für eine freiwillige Rückkehr und einer konsequenteren Abschiebungspolitik treiben Deutschland und Österreich ihre Pläne für den Umgang mit syrischen Geflüchteten voran. Damit rückt die Debatte zunehmend von politischen Ankündigungen in die praktische Umsetzung. Zugleich stellen sich komplexe Fragen nach der Realisierbarkeit einer Rückkehr Hunderttausender Menschen sowie nach den finanziellen und infrastrukturellen Voraussetzungen in Syrien.
Nach einem Treffen mit seinem österreichischen Amtskollegen Gerhard Karner in Berlin erklärte der deutsche Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am Mittwoch (15. Juli 2026), dass sowohl die freiwillige Rückkehr als auch konsequente Abschiebungen deutlich an Dynamik gewinnen müssten. Gleichzeitig betonte er, dass gut integrierte Syrer weiterhin eine Bleibeperspektive in Deutschland haben sollten.
Karner erklärte, Österreich habe ein befristetes Programm aufgelegt, das syrischen Asylbewerbern mit noch laufendem Verfahren zusätzliche finanzielle Anreize für eine freiwillige Rückkehr biete. Zugleich würdigte er Dobrindts Rolle auf europäischer Ebene und bezeichnete ihn als eine treibende Kraft im Kampf gegen die irreguläre Migration.
Vom Abschiebestopp zu gezielten Rückführungen
Abschiebungen aus Deutschland nach Syrien waren seit 2012 aufgrund der Sicherheitslage während des Bürgerkriegs ausgesetzt.
Am 23. Dezember 2025 schoben die deutschen Behörden erstmals wieder einen rechtskräftig verurteilten syrischen Straftäter aus Nordrhein-Westfalen mit einem Linienflug nach Damaskus ab. Bislang wurden damit insgesamt vier rechtskräftig verurteilte Straftäter nach Syrien zurückgeführt.
Auch Österreich schob am 3. Juli des vergangenen Jahres erstmals seit 15 Jahren wieder einen syrischen Staatsangehörigen in sein Heimatland ab. Der Abschiebung war ein gemeinsamer Besuch des österreichischen Innenministers Gerhard Karner und der damaligen deutschen Bundesinnenministerin Nancy Faeser im April 2025 in Syrien vorausgegangen.
Zudem hatte Bundeskanzler Friedrich Merz den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im vergangenen November nach Deutschland eingeladen, um unter anderem über Rückführungen zu beraten. Merz sagte dabei deutsche Unterstützung für die Stabilisierung Syriens zu und äußerte die Hoffnung, dass eine große Zahl syrischer Geflüchteter freiwillig in ihre Heimat zurückkehren werde.
Während mehrere Innenminister der Bundesländer die Wiederaufnahme von Abschiebungen straffällig gewordener Syrer begrüßten, wächst in einigen Ländern inzwischen die Ungeduld. Seit Januar dieses Jahres wurden keine weiteren Rückführungen nach Syrien durchgeführt.
Einbürgerungserfolge und Wiederaufbau als Voraussetzung
Gleichzeitig erfüllen viele Syrer, die zwischen 2013 und 2017 als Geflüchtete nach Deutschland kamen, inzwischen die Voraussetzungen für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit. Dazu zählen ausreichende Deutschkenntnisse sowie die Fähigkeit, den eigenen Lebensunterhalt selbst zu sichern. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im vergangenen Jahr 65.574 Syrer eingebürgert.
Ende März traf Präsident Ahmed al-Scharaa erneut mit Bundeskanzler Merz in Berlin zusammen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärte Merz, man verfolge das Ziel, innerhalb von drei Jahren rund 80 Prozent der mehr als 900.000 in Deutschland lebenden Syrer zur Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen.
Später präzisierte der Bundeskanzler jedoch: „Der syrische Präsident hat diese Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren ins Spiel gebracht. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension dieser Aufgabe bewusst.“
Präsident Al-Scharaa stellte den Ablauf dagegen anders dar. Nach seinen Angaben sei die Zielmarke von 80 Prozent während des Gesprächs von Bundeskanzler Merz genannt worden. Zugleich betonte er, dass eine Rückkehr syrischer Geflüchteter unmittelbar vom Wiederaufbau Syriens abhänge.
Bewerten Sie dieses Thema