• 29 Juni 2026 - 11:45 PM

Gesellschaft » Generation Z

47 Prozent der Jugendlichen mit KI-generierten sexuellen Inhalten konfrontiert


Von Maggie Harrison Dupré Veröffentlicht am 2026/07/22 04:35
47 Prozent der Jugendlichen mit KI-generierten sexuellen Inhalten konfrontiert
Juni. 22, 2026
  1. 0
  2. 18

KI-generierte sexuelle Inhalte verändern rasant die Art und Weise, wie Jugendliche Sexualität und zwischenmenschliche Beziehungen erleben. Die Auswirkungen sind weitreichend – und bislang nur unzureichend erforscht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der gemeinnützigen Organisation Common Sense Media. Darin untersuchten die Forscher, wie Jugendliche mit diesen neuen Technologien umgehen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die rasante Verbreitung solcher Inhalte und die bereits heute sichtbaren Schäden dringend mehr Aufmerksamkeit erfordern.

Für die landesweit repräsentative Untersuchung wurden 1.314 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren befragt. Ergänzend führten die Wissenschaftler Einzelinterviews und Gruppendiskussionen durch. Als KI-generierte sexuelle Inhalte definiert die Studie manipulierte Nacktbilder (Deepfakes) realer Personen, von künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder und Videos mit anzüglichen oder eindeutig sexuellen Darstellungen sowie alle weiteren sexuellen Inhalte, die mithilfe von KI erstellt wurden. Die Untersuchung erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Schulen in den USA zunehmend mit nicht einvernehmlich erstellten Deepfakes von Minderjährigen konfrontiert sind, die überwiegend von Mitschülern erstellt und verbreitet werden.

„Ein erheblicher Teil der Jugendlichen wird nicht nur mit solchen Inhalten konfrontiert, sondern erstellt und verbreitet sie auch selbst“, sagte Supreet Mann, Forschungsdirektorin bei Common Sense Media und Hauptautorin der Studie, gegenüber Futurism. „Und dabei handelt es sich sehr häufig um Personen, die sie persönlich kennen – oder sogar um sie selbst.“

Dem Bericht zufolge hat fast die Hälfte der befragten Jugendlichen bereits Inhalte gesehen, die sie für KI-generierte sexuelle Darstellungen hielten. Die meisten stießen zufällig über soziale Netzwerke darauf. Von den Jugendlichen, die solche Inhalte gesehen hatten, gaben 64 Prozent an, dass bekannte Prominente dargestellt wurden. Weitere 24 Prozent erklärten, die Inhalte hätten sie selbst oder Personen aus ihrem persönlichen Umfeld gezeigt.

Rund acht Prozent der Jugendlichen gaben an, selbst Deepfakes oder andere KI-generierte sexuelle Inhalte erstellt zu haben. Weitere 13 Prozent erklärten, jemanden zu kennen, der mithilfe künstlicher Intelligenz solches Material produziert hat. Mehr als 60 Prozent dieser Fälle betrafen die Jugendlichen selbst oder Personen aus ihrem Freundes-, Schul- oder aktuellen beziehungsweise früheren Beziehungskreis.

Die Sorge vor solchen Inhalten verändert zunehmend auch das Online-Verhalten junger Menschen. Rund 67 Prozent der Befragten gaben an, zumindest in gewissem Maße besorgt zu sein, selbst Opfer von Deepfakes zu werden. Fast 40 Prozent stellten deshalb ihre Konten in sozialen Netzwerken auf privat, schränkten ihre Online-Aktivitäten ein oder löschten ihre Profile vollständig.

„Etwa zwei Drittel der Jugendlichen machen sich darüber Sorgen, und viele verändern aus Angst ihr Verhalten im Internet. Das zeigt deutlich, wie Jugendliche diese Inhalte wahrnehmen und wie stark sie den Verlust der Kontrolle über ihre digitale Umgebung empfinden“, erklärte Mann. Zwar sei es grundsätzlich sinnvoll, dass junge Menschen bewusst mit ihrer Online-Präsenz umgehen. Gegenwärtig liege die Verantwortung, sich vor Deepfakes zu schützen, jedoch weitgehend auf den Schultern der Jugendlichen selbst.

„Warum sollten junge Menschen gezwungen sein, sich ständig selbst zu überwachen?“, fragte die Forscherin. „Diese Last sollte nicht auf ihren Schultern liegen.“

Warum Jugendliche so besorgt sind, ist leicht nachvollziehbar. Mit einem einzigen Foto und nur wenigen Klicks ermöglichen sogenannte Nudify-Apps, die im Internet und in App-Stores leicht verfügbar sind, täuschend echte Nacktbilder von Menschen ohne deren Zustimmung zu erstellen. Auch allgemein verfügbare KI-Chatbots – darunter Grok von xAI – wurden bereits genutzt, um Deepfakes zu erzeugen, darunter auch solche, die Minderjährige betreffen.

Deepfake-Skandale haben inzwischen zahlreiche Städte in den USA erschüttert und treffen vor allem Mädchen. Betroffene berichteten von massiver Angst, Panikattacken, Suizidgedanken sowie einem tiefen Vertrauensverlust gegenüber Mitschülern und den Erwachsenen, die sie eigentlich schützen sollten.

Bewerten Sie dieses Thema



Nach oben