Neue Studie stellt infrage, ob das menschliche Gehirn Bewusstsein erzeugt
Von Joe Wilkins Veröffentlicht am
2026/08/22 16:29
August. 22, 2026
Seit Neurowissenschaftler begonnen haben, den menschlichen Geist auf der Suche nach den Ursachen des Bewusstseins zu erforschen, sind sie von einer grundlegenden Annahme ausgegangen: dass das Bewusstsein eine Funktion des Gehirns ist. Das erscheint zunächst naheliegend. Wir sind uns unseres Bewusstseins bewusst, während Gestein, Erde und andere unbelebte Materie kein Bewusstsein zu besitzen scheinen.
Ein Forscher stellt diese Annahme nun auf den Kopf. Auf einem Neurowissenschafts-Symposium in Portugal formulierte der Neurowissenschaftler Christof Koch vom Allen Institute eine gewagte These: Das Bewusstsein könnte tatsächlich eine grundlegende Eigenschaft des Universums sein – und kein Produkt der grauen Substanz.
In einem neuen, bislang unveröffentlichten Essay, der ScienceAlert vorliegt, vertritt Koch im Wesentlichen die Auffassung, dass Wissenschaftler möglicherweise am falschen Ort nach der Ursache des Bewusstseins suchen.
„Nichts in der Wissenschaft erklärt, wie drei Pfund Materie, ein Möbelstück des Universums wie jedes andere, das denselben Naturgesetzen unterliegt, lieben, hassen, träumen, sich etwas vorstellen, fürchten oder auf seine Zukunft hoffen kann“, schreibt Koch.
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, argumentiert Koch, dass wir möglicherweise jahrhundertelange philosophische und wissenschaftliche Vorstellungen hinter uns lassen und zum grundlegenden Idealismus zurückkehren müssen. In dieser Sichtweise wäre das Bewusstsein kein Produkt eines physikalischen Vorgangs im Gehirn, sondern ein grundlegendes Merkmal der Realität.
Diese Hypothese zu belegen, dürfte allerdings schwieriger sein, als es zunächst klingt.
Der Neurowissenschaftler hat zahlreiche Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht, deren Ursprünge bis ins Jahr 2016 zurückreichen. Ausgangspunkt war ein prägendes Erlebnis an einem Strand vor einigen Jahren. Wie Koch gegenüber ScienceAlert erzählte, begann dabei die „Grenze zwischen ihm und der Welt“ zu verschwimmen, bis nur noch ein Gefühl der Zeitlosigkeit blieb. Er bezeichnete das Erlebnis als das „bedeutsamste seines Lebens“.
Auch wenn dieses Erlebnis am Strand die Inspiration für seine Arbeiten zum Bewusstsein gewesen sein mag, vermeidet Koch es, die subjektive Erfahrung als empirischen Beleg darzustellen. Stattdessen erklärt er, sie habe seine „Sichtweise auf den Geist an sich“ erweitert. Zugleich fordert er Forscher dazu auf, ihre grundlegenden Annahmen über das Bewusstsein insgesamt neu zu überdenken.
„Die wichtigste Aufgabe für die Zukunft“, schreibt Koch, „besteht darin, diese Erkenntnisse in empirisch testbare Hypothesen zu übersetzen.“
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