Der Wunsch auszuwandern erreicht einen neuen Tiefstand: Die USA verlieren an Attraktivität als Traumziel
Von Julie Ray Veröffentlicht am
2026/07/08 14:05
Juni. 08, 2026
Die Vereinigten Staaten bleiben weltweit das begehrteste Ziel für Menschen, die dauerhaft in ein anderes Land ziehen möchten. Doch die neuesten Daten der Meinungsforschungsorganisation Gallup zeigen: Die Anziehungskraft der USA ist so gering wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr.
Im Jahr 2025 nannten 15 Prozent der Erwachsenen weltweit, die grundsätzlich dauerhaft in ein anderes Land auswandern möchten, die USA als bevorzugtes Ziel. Dies ist der niedrigste Wert seit Beginn der langfristigen Gallup-Erhebungen. Zwischen 2007 und 2009 hatten noch 24 Prozent der potenziellen Migranten die USA als Wunschziel genannt. Bis 2016 lag der Anteil weiterhin bei etwa 20 Prozent, bevor er seit 2017 auf 18 Prozent oder weniger zurückging.
Trotz dieses Rückgangs bleiben die Vereinigten Staaten weiterhin das weltweit meistgewünschte Einwanderungsziel. Kanada liegt auf dem zweiten Platz: 9 Prozent der potenziellen Migranten nennen das nördliche Nachbarland der USA als bevorzugtes Ziel. Die Rangfolge der beliebtesten Länder hat sich seit Beginn der Gallup-Erhebungen nur wenig verändert.
Weniger Menschen träumen von einer Auswanderung
Nicht nur die bevorzugten Zielländer verändern sich, sondern auch die allgemeine Bereitschaft zur Migration. Weltweit ist der Wunsch, dauerhaft in ein anderes Land zu ziehen, im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt gefallen.
Nachdem der Anteil zwischen 2021 und 2024 stabil bei 16 Prozent gelegen hatte, sank er 2025 auf 15 Prozent – ein Niveau, das zuletzt 2018 erreicht wurde.
Die Untersuchung basiert auf Befragungen von mehr als 144.000 Erwachsenen in 140 Ländern. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie – sofern sie die Möglichkeit hätten – dauerhaft in ein anderes Land ziehen möchten oder lieber in ihrem Heimatland bleiben würden. Wer eine Auswanderung befürwortete, wurde anschließend nach seinem bevorzugten Zielland gefragt.
Die USA verlieren besonders in einigen Regionen an Anziehungskraft
Die Attraktivität der Vereinigten Staaten ging 2025 in mehreren Regionen deutlich zurück, insbesondere in Lateinamerika und der Karibik, in Subsahara-Afrika sowie in Südostasien.
In Lateinamerika und der Karibik sank der Anteil der Menschen, die die USA als Wunschziel nennen, von 33 Prozent im Jahr 2024 auf 28 Prozent im Jahr 2025.
Auch in Mexiko ging der Wunsch nach einer Übersiedlung in die USA zurück. Dort lag der Anteil der Menschen, die die USA als Ziel bevorzugen, bei 21 Prozent – dem niedrigsten Wert seit 2017/2018.
In Honduras fiel der Anteil besonders stark: von 71 Prozent auf 36 Prozent innerhalb eines Jahres. Dies war der größte Rückgang unter allen untersuchten Ländern im Jahr 2025.
Welche Länder ziehen Migranten besonders an?
Obwohl die USA an Attraktivität verloren haben, bleiben sie weiterhin das wichtigste Wunschziel in Lateinamerika und der Karibik sowie in Subsahara-Afrika.
In anderen Regionen zeigt sich jedoch ein anderes Bild:
In Südostasien liegt Japan mit 23 Prozent vor den USA mit 12 Prozent.
Im Nahen Osten und Nordafrika bevorzugen 13 Prozent Deutschland und 12 Prozent Saudi-Arabien; die USA erreichen 9 Prozent.
In Südasien liegen Saudi-Arabien und die USA mit jeweils 7 Prozent gleichauf.
Innerhalb der Europäischen Union stehen Spanien mit 11 Prozent und die Schweiz mit 8 Prozent vor den USA mit 6 Prozent.
Die Regionen mit dem stärksten Auswanderungswunsch
Lateinamerika und die Karibik verzeichneten 2025 den niedrigsten Auswanderungswunsch seit zehn Jahren. Nur noch 25 Prozent der Erwachsenen dort gaben an, dauerhaft in ein anderes Land ziehen zu wollen.
Auch in Subsahara-Afrika, wo der Wunsch nach Migration traditionell weltweit am höchsten ist, sank der Wert auf 33 Prozent – ebenfalls ein Zehnjahrestief.
Anders sieht es in klassischen Einwanderungsregionen aus. In den USA und Kanada sowie in der Europäischen Union bleibt der Wunsch, das eigene Land zu verlassen, weiterhin nahe an historischen Höchstständen.
Besonders junge Frauen in den USA wollen ins Ausland
Eine auffällige Entwicklung zeigt sich innerhalb der Vereinigten Staaten selbst. Laut Gallup äußerten besonders Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren einen starken Wunsch, dauerhaft auszuwandern.
Im Jahr 2025 erklärten 40 Prozent dieser Altersgruppe, dass sie bei entsprechender Möglichkeit dauerhaft in ein anderes Land ziehen würden. Dieser Wert ist deutlich höher als noch 2014.
Fazit: Der globale Migrationswunsch verändert sich
Gallup weist darauf hin, dass der Wunsch auszuwandern nicht automatisch bedeutet, dass Menschen tatsächlich umziehen werden. Viele Menschen verfügen nicht über die finanziellen, rechtlichen oder persönlichen Möglichkeiten dazu.
Die aktuellen Daten zeigen jedoch eine Veränderung der globalen Migrationsstimmung. Die USA bleiben zwar weiterhin das beliebteste Ziel weltweit, ziehen aber weniger Interesse auf sich als jemals zuvor in fast zwei Jahrzehnten.
Gleichzeitig wünschen sich weiterhin sehr viele Menschen ein Leben in einem anderen Land. Nach Schätzungen von Gallup könnten weltweit rund 900 Millionen Menschen grundsätzlich auswandern wollen – darunter etwa 134 Millionen, die die Vereinigten Staaten als bevorzugtes Ziel nennen.
Die Zukunft der globalen Migration wird daher nicht nur davon abhängen, welche Länder wirtschaftlich attraktiv sind, sondern auch davon, wie Menschen Sicherheit, Lebensqualität, politische Stabilität und persönliche Perspektiven bewerten.
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