ChatGPT verändert die Studienwahl: Immer weniger Studierende lernen Programmieren
Von Frank Landymore Veröffentlicht am
2026/07/25 14:28
Juni. 25, 2026
Jahrelang galt für ehrgeizige Studierende und Berufseinsteiger derselbe Ratschlag als nahezu unumstößlich: „Lerne programmieren.“ Wer diesem allgegenwärtigen Rat folgte, konnte mit einem sechsstelligen Gehalt in der Technologiebranche rechnen. Doch in einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend darauf setzen, leistungsfähige KI-Agenten Aufgaben von Softwareentwicklern übernehmen zu lassen, wirkt diese Empfehlung immer häufiger überholt – wenn nicht sogar irreführend. Die jüngere Generation scheint diese Entwicklung bereits erkannt zu haben.
Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten sind die Einschreibungszahlen im Studienfach Informatik im akademischen Jahr 2025/2026 zurückgegangen. Das geht aus einer neuen Studie des Stanford-Ökonomen Jacob Light hervor, wie Business Insider berichtet.
Deutlicher Einbruch bei Informatikstudiengängen
Der Rückgang betrifft nicht nur das klassische Informatikstudium. Eine unabhängige Untersuchung des National Student Clearinghouse Research Center zeigt, dass die Zahl der Studienanfänger im Bereich Computer- und Informationswissenschaften sowie zugehörige Unterstützungsdienste im Herbst 2025 um deutliche 8,1 Prozent zurückging.
Der Ökonom Jacob Light weist darauf hin, dass dieser Rückgang mit der rasanten Verbreitung künstlicher Intelligenz zusammenhängen könnte. Zugleich betont er, dass sich daraus kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten lasse.
Light schreibt:
„Der Rückgang könnte Veränderungen im Bildungsprozess widerspiegeln, da generative KI die Art und Weise verändert, wie Studierende ihre Studienleistungen erbringen. Ebenso könnten veränderte Erwartungen hinsichtlich des Nutzens von Informatikkenntnissen, Reaktionen auf die Entwicklungen des Arbeitsmarktes – die teilweise mit der Einführung von KI zusammenhängen –, eine allgemeine Schwäche des Technologiesektors oder andere gleichzeitige Veränderungen der Studiennachfrage eine Rolle spielen.“
Er ergänzt:
„Diese Einschreibungsmuster liefern daher lediglich deskriptive Hinweise und keinen Beleg für einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen ChatGPT beziehungsweise KI und der Nachfrage nach Informatikstudiengängen.“
Neuausrichtung statt Flucht aus der Technologie
Bei genauerem Hinsehen ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Als The Washington Post die Daten des National Student Clearinghouse Anfang dieses Jahres näher analysierte, zeigte sich, dass viele Studierende der Technologie keineswegs den Rücken kehren. Stattdessen verlagern sich ihre Interessen zunehmend auf benachbarte Studiengänge wie Data Analytics und Data Science.
Dennoch steht fest, dass Programmierberufe – insbesondere bei den großen Technologiekonzernen – heute längst nicht mehr die Arbeitsplatzsicherheit bieten, die sie noch vor wenigen Jahren versprachen. Nach Angaben des Branchenportals Layoffs.fyi wurden im Jahr 2026 bereits mehr als 120.000 Arbeitsplätze im Technologiesektor abgebaut. Ein erheblicher Teil der Stellenstreichungen entfiel auf Technologiekonzerne wie Meta und Google, die gleichzeitig ihre Investitionen in künstliche Intelligenz massiv ausweiteten.
Ein weiterer Bericht zeigt zudem, dass KI im vergangenen Jahr bei der Ankündigung von mehr als 54.000 Entlassungen ausdrücklich als Begründung genannt wurde. Ob künstliche Intelligenz diese Arbeitsplätze tatsächlich ersetzt oder ob sie Unternehmen lediglich als Rechtfertigung für ohnehin geplante Personalabbauprogramme dient, bleibt unter Experten weiterhin umstritten.
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