• 25 August 2026 - 9:13 PM

KI-Lektüre löst eine Welle des Spottes aus


Von Frank Landimor Veröffentlicht am 2026/08/16 15:35
KI-Lektüre löst eine Welle des Spottes aus
August. 16, 2026
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Im Ressort der sogenannten vierten Gewalt läuft offenbar einiges schief. Am Dienstag veröffentlichte der Chefredakteur der Website „Axios“ einen Artikel, der eine breite Debatte auslöste. Darin räumte er ein, inzwischen vollständig auf künstliche Intelligenz zurückzugreifen, um Bücher für ihn zu lesen – und damit auf jede eigene geistige Anstrengung zu verzichten.

Nicholas Johnston, der zuvor als Chefredakteur des Nachrichtenportals tätig war, begann seinen Artikel mit den Worten: „KI ist zu meinem Lesebegleiter geworden.“

Nach Johnstons Darstellung macht es die herkömmliche Lektüre eines Buches „leicht, den roten Faden zu verlieren“. Als Beispiel nannte er James Fenimore Coopers 1826 erschienenen Klassiker „Der letzte Mohikaner“. Das Buch sei zu „dicht“ gewesen, um es als „gewöhnliche Urlaubslektüre“ zu lesen.

Um dieses Problem zu umgehen, gab er einem Chatbot folgende Anweisung: „Ich möchte einen Leitfaden, während ich ,Der letzte Mohikaner‘ lese, der mir hilft, das Gelesene und den bisherigen Verlauf der Handlung zu verstehen, ohne mir etwas vorwegzunehmen oder meinen Lesefortschritt zu spoilern. Kannst du das Kapitel für Kapitel machen?“

Johnston zufolge stimmte der Chatbot sofort zu – ohne auch nur ansatzweise zu erkennen oder zu berücksichtigen, dass dieses Verhalten ein besonders deutliches Beispiel für die bei solchen Systemen bekannte „programmierte Schmeichelei“ ist. Am Ende erhielt Johnston eine fortlaufende Zusammenfassung, die ihm unklare Passagen erläuterte.

Breiter Spott

Das Geständnis warf zahlreiche Fragen über die Technikbegeisterung von Führungskräften auf – und darüber, ob ein Klassiker, der an Schulen unterrichtet wird, tatsächlich so schwer zu verstehen sein kann. Beobachter kritisierten zudem den Inhalt des Artikels und bemängelten, dass er keine originelle Erkenntnis liefere, sondern lediglich wiederhole, was gewöhnliche Nutzer seit dem Aufkommen dieser Technologien längst tun.

Im Internet wurde der Beitrag mit beißendem Spott aufgenommen. Ein Nutzer kommentierte auf der Plattform „Bluesky“ bitter-ironisch: „Axios-Autor: Ich habe mein Gehirn mit KI eingeschmolzen. Ich kann nicht nur nicht mehr lesen, ich verstehe inzwischen nicht einmal mehr, wozu Lesen überhaupt gut sein soll.“

Die Meinung von Wissenschaftlern und Fachleuten

Noch schärfere Kritik kam von Expertinnen aus den Bereichen Schreiben und akademische Bildung. Zu den prominentesten Stimmen gehörte Jane Rosenzweig, Autorin und ehemalige Leiterin des Writing Center am Harvard College. Sie kommentierte: „Diese Art des ,Lesens‘ unterscheidet sich von dem, was viele von uns unter Lesen verstehen. Es geht eher darum, ein Buch zu optimieren und zu kontrollieren, statt es zu erleben und sich auf seine Erfahrung einzulassen. Dasselbe beobachten wir bei KI und beim Schreiben.“

Kritiker verwiesen zudem auf die Ironie, ausgerechnet einen Klassiker auszuwählen, der kostenlos im Internet verfügbar ist und für den verlässliche Studienhilfen mit überprüften Inhalten existieren. Gleichzeitig kann die Abhängigkeit von künstlicher Intelligenz zu Fehlern führen – Fehler, deren Existenz Johnston selbst einräumt.

Trotzdem beendete er seinen Artikel mit einem sogenannten „Profi-Tipp“: Man könne das komplette Buch in ein KI-Modell eingeben, um die Genauigkeit seiner Antworten zu erhöhen.

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