• 29 Juni 2026 - 10:54 PM

Fälschungen entlarven den Bericht über die „Genialität“ der Künstlichen Intelligenz


Von Frank Landymore Veröffentlicht am 2026/07/04 18:35
Fälschungen entlarven den Bericht über die „Genialität“ der Künstlichen Intelligenz
Juni. 04, 2026
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In einer ironischen Wendung entwickelte sich ein Bericht eines der weltweit größten Beratungsunternehmen, der eigentlich die Leistungsfähigkeit und den Nutzen der Künstlichen Intelligenz für die Wirtschaft preisen sollte, zu einem belastenden Beweis gegen eben diese Technologie. Der Grund: Das Dokument war mit unbegründeten und frei erfundenen Behauptungen gespickt, die auf Halluzinationen der Künstlichen Intelligenz selbst zurückzuführen waren.

Wie die britische Zeitung Financial Times berichtete, geriet der im vergangenen Oktober von KPMG – einem der sogenannten „Big Four“ der Beratungsbranche – veröffentlichte Bericht mit dem Titel „Redefining Excellence in the Era of Agentic AI“ zum Paradebeispiel dafür, wie dieselbe Technologie professionelle Berichte verfälschen und erfinden kann.

In der Studie wurde behauptet, führende Unternehmen würden Agenten der Künstlichen Intelligenz bereits in bemerkenswertem Umfang einsetzen. Andere Firmen wurden aufgefordert, die Technologie möglichst schnell zu übernehmen, um nicht den Anschluss zu verlieren. So hieß es unter anderem, die UBS integriere KI-Agenten in die Anlageberatung, das Risikomanagement und die Compliance-Überwachung. Zudem wurde behauptet, die Schweizerische Bundesbahnen nutze die Technologie, um Reisenden bei der Planung und Optimierung ihrer Fahrten zu helfen, während Transport for London KI-Agenten zur Vorhersage und Steuerung von Verkehrsstaus einsetze.

Internationale Institutionen weisen die Behauptungen zurück

So sehr Befürworter der Künstlichen Intelligenz sich gewünscht hätten, diese Aussagen wären zutreffend – die auf die Erkennung KI-generierter Inhalte spezialisierte Plattform GPTZero untersuchte den Bericht und entlarvte seine Unrichtigkeit.

Laut der Financial Times wiesen die betroffenen Institutionen sämtliche Behauptungen entschieden zurück. Ein Sprecher der UBS erklärte, die Aussagen seien „objektiv falsch“. Ein Vertreter der Schweizerischen Bundesbahnen bezeichnete die Angaben als unzutreffend, während Transport for London die im Bericht enthaltenen Behauptungen als irreführend zurückwies.

Doch die Halluzinationen gingen noch weiter. Der Bericht behauptete außerdem, der Greater Manchester NHS setze KI-Agenten zur Triage von Patienten und zur Vorhersage erneuter Krankenhausaufnahmen ein. Später stellte sich heraus, dass diese Behauptung lediglich auf Randbemerkungen einer Pressemitteilung über ein Instrument zur Bekämpfung von Lungenkrebs beruhte und keinerlei Bezug zu den genannten Anwendungen hatte.

Vergiftung des Informationsökosystems

Nach Bekanntwerden der erfundenen Inhalte entfernte KPMG den Bericht umgehend von seinen Webseiten. Der Schaden war jedoch bereits entstanden: Fachpublikationen sowie eine große tschechische Zeitung hatten die Ergebnisse bereits übernommen und veröffentlicht.

Edward Tian, Geschäftsführer von GPTZero, erklärte, dass derartige Fälschungen aus einem Beratungsunternehmen von der Größe und Bedeutung KPMGs den „Informationsbrunnen vergiften“ und das Risiko sogenannter Sekundärhalluzinationen erhöhen würden – also neuer KI-Fehler, die auf bereits fehlerhaften Quellen aufbauen.

Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem große Beratungsunternehmen unter erheblichem Druck stehen, weil sie befürchten, dass Künstliche Intelligenz ihre eigenen Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze verdrängen könnte. Einige Unternehmen – darunter McKinsey & Company – führten im vergangenen Jahr rund 12.000 KI-Agenten ein und bauten gleichzeitig etwa 5.000 Stellen ab. Damit reiht sich dieser Fall in eine wachsende Serie ähnlicher Skandale ein, die bereits die Anwaltschaft und die Justiz erschütterten, nachdem ungeprüft auf KI-generierte Informationen und frei erfundene Gerichtsentscheidungen vertraut worden war.

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