Roboter Neo unter Druck: Sexuelle Anspielungen lösen Streit um 1X aus
Von Joe Wilkins Veröffentlicht am
2026/07/15 16:46
Juni. 15, 2026
Mit einem Werbevideo, das eigentlich den technologischen Fortschritt des norwegisch-amerikanischen Startups 1X im Bereich der künstlichen Intelligenz demonstrieren sollte, hat das Unternehmen eine Welle der Kritik ausgelöst. Die Präsentation der menschenähnlichen Fingerfertigkeit des neuen humanoiden Roboters Neo führte zu einer heftigen Debatte über die Marketingstrategie des Unternehmens und zu einem offenen Konflikt mit Teilen der Fachpresse.
Der Streit entbrannte, nachdem das renommierte Technologiemagazin „Wired“ einen Bericht seines Redakteurs Boone Ashworth veröffentlichte. Darin würdigte der Autor zwar die außergewöhnliche Beweglichkeit der Roboterfinger, die menschliche Handbewegungen präziser nachahmen können als viele Konkurrenzprodukte. Gleichzeitig kritisierte er jedoch eine, wie er es bezeichnete, „ungewöhnlich sinnliche Marketingästhetik“ des Unternehmens.
Details der Kontroverse: Sanfte Werbung sorgt für Kritik
Laut dem Bericht setzte das Werbematerial des Unternehmens auf eine auffällig intime Atmosphäre: Bei gedämpftem, warmem Licht und sanfter Jazzmusik im Hintergrund berühren die Roboterfinger vorsichtig Weintrauben, ziehen langsam den Reißverschluss einer Jacke auf und schalten behutsam das Licht aus.
Der Autor Boone Ashworth kommentierte diese Szenen mit den Worten:
„Ohne jemanden verurteilen zu wollen, aber das ist eine seltsame Strategie, um einen Roboter zu verkaufen, der auch zu einer Schnittstelle für menschliche Fernbediener werden kann, um in Ihr Zuhause zu blicken und mit Ihren privaten Dingen zu interagieren.“
Die Kritik, die sich auf mögliche „sexuelle Anspielungen“ und eine übertriebene Intimität in der Darstellung der Roboterbewegungen bezog, löste bei Dar Sleeper, dem Vizepräsidenten für Produkt und Design bei 1X, scharfen Widerspruch aus. Er empfand den Artikel als „Verrat“, da das Unternehmen dem Magazin einen exklusiven Vorabzugang zur Präsentation der Roboterhände gewährt hatte.
Streit im Silicon Valley und Vorwürfe des Vertrauensbruchs
Über die Plattform X kritisierte Sleeper den Journalisten scharf und warf Teilen der Tech-Presse vor, zunehmend auf der Suche nach aufmerksamkeitsstarken Schlagzeilen und Klicks zu sein. Er schrieb verärgert:
„Ich habe Wired das Exklusivrecht auf die Vorstellung unserer Hände gegeben, und sie haben einen wirklich seltsamen Artikel darüber geschrieben, wie wir die Robotik sexualisieren. Ich fühlte mich ziemlich betrogen, weil das weder das Thema war, über das sie angeblich schreiben wollten, noch das, worum es mir jemals ging.“
Der Manager erklärte außerdem, dass er dem Journalisten eine kritische E-Mail geschickt habe, in der er seinen Unmut über den Artikel ausdrückte, und beendete seine Nachricht mit den ironischen Worten: „Viel Glück für den Rest Ihrer Karriere als Autor.“
Datenschutzbedenken hinter der ästhetischen Inszenierung
Während das Unternehmen versucht, die Kontroverse als reine „Mediensensation“ darzustellen, sehen Technologieexperten darin ein tieferliegendes Problem. Der Roboter Neo ist zunächst dafür ausgelegt, von echten Menschen per Fernsteuerung bedient zu werden.
Das bedeutet, dass menschliche Operatoren künftig in der Lage sein könnten, die hochpräzisen Roboterhände in privaten Räumen und sensiblen Situationen der Nutzer zu steuern. Hinter der ästhetischen Darstellung der Bewegungen stehen daher grundlegende Fragen zur Privatsphäre, zur Datensicherheit und zur ethischen Verantwortung beim Einsatz humanoider Roboter im eigenen Zuhause.
Bewerten Sie dieses Thema