• 29 Juni 2026 - 10:54 PM

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Hardware-Verrat: Wie Ihre SSD zum Spion wird


Von Von Joe Wilkins Veröffentlicht am 2026/07/17 07:45
Hardware-Verrat: Wie Ihre SSD zum Spion wird
Juni. 17, 2026
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Heutzutage ist es nahezu unmöglich, sich im Internet zu bewegen, ohne Spuren der eigenen Aktivitäten zu hinterlassen. Verantwortlich dafür ist ein unsichtbarer digitaler Überwachungsapparat aus Cookies, Keyloggern, Browser-Fingerprinting und Tracking-Pixeln – ganz zu schweigen von weiteren Methoden, die möglicherweise noch gar nicht bekannt sind. Was wie pure Paranoia klingen mag, ist laut einer bahnbrechenden Cybersecurity-Studie von Forschern in Österreich längst Realität geworden.

Den Wissenschaftlern gelang es, eine bislang unbekannte Sicherheitslücke nachzuweisen, über die bösartige Websites einen lautlosen Angriff starten können. Dieser erfordert keinerlei Interaktion des Nutzers und ermöglicht es Angreifern, Computeraktivitäten präzise zu überwachen.

Der lautlose FROST-Angriff 

Die Angriffsmethode trägt den Namen FROST. Die Abkürzung steht für Remote Fingerprinting over SSD Timing auf Basis des Origin Private File System (OPFS). Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich jedoch ein ebenso simples wie beunruhigendes Prinzip: Bösartige Websites können die Aktivitäten eines Computers ausspionieren, ohne dass Schadsoftware installiert oder der Nutzer über Phishing-Links in die Falle gelockt werden muss.

Wenn SSDs zur Schwachstelle werden ????️

Der Angriff nutzt eine Besonderheit moderner Solid-State-Drives (SSDs) aus, die klassische mechanische Festplatten in den meisten Computern inzwischen weitgehend ersetzt haben. Sobald Sie eine Website aufrufen, verarbeitet Ihre SSD kontinuierlich temporäre Daten, um ein schnelles und flüssiges Surferlebnis zu ermöglichen.

Genau hier setzt die FROST-Methode an: Eine manipulierte Website erstellt eine mehrere Gigabyte große Datei und beansprucht die SSD so stark, dass temporäre Daten anderer geöffneter Webseiten nicht mehr wie gewohnt verarbeitet werden können. Während die SSD ausgelastet ist, misst die bösartige Website minimale Zeitunterschiede beim Datenzugriff anderer parallel geöffneter Seiten. Diese Messwerte werden anschließend an ein speziell trainiertes KI-Modell übermittelt, das mit bemerkenswerter Genauigkeit Rückschlüsse auf Ihre weiteren Online-Aktivitäten ziehen kann.

Erschreckende Präzision über Browsergrenzen hinweg 

Obwohl von einer Vorhersage die Rede ist, arbeitet die FROST-Methode mit erstaunlicher Präzision. Die Forscher berichten, dass ihr KI-Modell die vom Nutzer besuchten Websites mit einer Genauigkeit von 88,95 Prozent identifizieren konnte. Bei den gleichzeitig auf dem Computer geöffneten Anwendungen lag die Trefferquote sogar bei 95,83 Prozent.

Besonders brisant ist, dass der Angriff unabhängig vom verwendeten Browser funktioniert. Da er direkt auf Hardware-Ebene ansetzt, könnte ein Angreifer theoretisch Aktivitäten in Firefox überwachen, obwohl lediglich eine manipulierte Website in Google Chrome geöffnet wurde. Zwar wurden die Experimente überwiegend unter macOS und Linux durchgeführt, die Forscher betonen jedoch ausdrücklich, dass auch Windows-Systeme nicht grundsätzlich vor dieser Methode geschützt sind.

Gegenüber der Fachplattform Ars Technica erklärte Studienleiter Hannes Weissteiner:

„Grundsätzlich lässt sich ein KI-Modell auf jede Systemaktivität trainieren, die regelmäßig SSD-Zugriffe erzeugt.“

Ein einfacher Schutz bis Sicherheitsupdates verfügbar sind 

FROST offenbart eine ernstzunehmende Sicherheitslücke, die langfristig durch Aktualisierungen von Browsern und Betriebssystemen geschlossen werden muss. Bis entsprechende Schutzmaßnahmen verfügbar sind, können Nutzer jedoch bereits jetzt eine einfache Vorsichtsmaßnahme ergreifen: Schließen Sie ungenutzte Browser-Tabs, anstatt sie dauerhaft im Hintergrund geöffnet zu lassen.

Diese scheinbar banale Gewohnheit kann das Risiko deutlich verringern, Opfer dieser neuartigen Form der Hardware-Spionage zu werden.

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