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Gym-Phobie: Wenn Belästigung den Traum von Fitness zerstört


Von Olivia Petter Veröffentlicht am 2026/07/07 10:50
Gym-Phobie: Wenn Belästigung den Traum von Fitness zerstört
Juni. 07, 2026
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Schon scheinbar unbedeutende Vorfälle können zusammen eine unsichere Atmosphäre schaffen und einen Ort, der eigentlich der ruhigen körperlichen Betätigung dienen sollte, in einen Raum sexueller Belästigung verwandeln.

Eigentlich ist das Fitnessstudio ein besonderer Ort. Es gehört zu den wenigen Plätzen, an denen man sich frei vom Urteil anderer über das eigene Aussehen fühlen und sich stattdessen ganz darauf konzentrieren kann, ins Schwitzen zu kommen. Niemand muss sich besonders schick kleiden – es sei denn, man möchte das selbst. Man geht einfach hin und bewegt seinen Körper etwa 45 Minuten lang, um eines der wichtigsten Schönheitsmerkmale zu erhalten: Fitness.

Doch die Realität sieht oft anders aus. Eine neue Studie zeigt, dass das Verhalten vieler Männer Frauen das Training verleidet. Eine Untersuchung der Liverpool John Moores University, die sich mit den Erfahrungen von Frauen in Fitnessstudios befasste, ergab, dass Männer Frauen immer wieder davon abhalten, sich beim Training wohlzufühlen.

Von den 279 befragten Frauen gaben 72 Prozent an, während des Trainings mindestens einmal einen unerwünschten Kommentar von einem Mann erhalten zu haben. 39 Prozent berichteten, sich im Fitnessstudio eingeschüchtert zu fühlen. Viele Frauen erklärten, sie fühlten sich von Männern sexualisiert und empfänden deren Verhalten als abstoßend. Andere berichteten, bewusst weite Kleidung zu tragen, um ihre vermeintlichen „Problemzonen“ zu verbergen.

Besonders problematisch sei der Freihantelbereich. Die Teilnehmerinnen erklärten, Männer nähmen dort einen Großteil des Raumes ein. Sobald Frauen selbst Raum beanspruchten, würden sie mit Blicken, Kommentaren oder unerwünschter Kritik konfrontiert.

Viele Frauen hätten das Gefühl, nicht „zu viel Platz“ einnehmen zu dürfen, während manche Männer glaubten, selbstverständlich Anspruch auf Geräte zu haben, die gerade von Frauen benutzt werden.

Diese Ergebnisse sind ernüchternd, aber kaum überraschend.

Eine Frau berichtet:

„Ich habe das unzählige Male erlebt – genauso wie praktisch jede Frau, die ich kenne. Immer wieder fällt mir auf, dass mir im Fitnessstudio ein Mann folgt und sich direkt neben mich stellt, egal welches Gerät ich benutze.“

Eine andere erzählt:

„Eines Tages begann ein Mann direkt neben mir ein Video von sich beim Training aufzunehmen. Dadurch war ich ebenfalls im Bild. Als ich ihn bat, die Aufnahme zu löschen, sagte er, ich solle mich nicht so anstellen. Dabei hatte ich schon unzählige unangenehme Blicke erlebt.“

Jeder einzelne Vorfall mag klein erscheinen. Zusammen jedoch schaffen sie ein Klima der Unsicherheit. Frauen sind gezwungen, ständig wachsam zu sein, und das Fitnessstudio wird zu einem Ort, an dem Belästigung jederzeit möglich erscheint.

Besonders belastend ist, dass viele Frauen gerade deshalb ins Fitnessstudio gehen, um dem Alltag zu entkommen. Es sollte ein Ort sein, der eine Pause vom gesellschaftlichen Druck bietet, dem Frauen täglich ausgesetzt sind – ein Rückzugsort, an dem sie tief durchatmen und Stress abbauen können.

Eine Frau schildert ihre Erfahrung:

„Während meines Boxtrainings, mit dem ich vor einigen Jahren begonnen hatte, wurde ich von einem Mann sexuell belästigt. Ich habe darüber bereits geschrieben und möchte nicht noch einmal auf alle Einzelheiten eingehen. Damals trug ich viel Wut in mir, und Boxen war eines der wenigen Dinge, die mir halfen. Doch dieses Erlebnis hat mich schließlich vertrieben.“

Sie berichtet weiter:

„Das Boxen war zu meinem Rettungsanker geworden. Nachdem ich die Grundlagen im Unterricht gelernt hatte, trainierte ich in meinem örtlichen Fitnessstudio und konzentrierte mich ausschließlich auf den Sandsack. Alles lief gut – bis zu einem Nachmittag. Während ich völlig in mein Training vertieft war, wedelte plötzlich ein Mann mit den Armen vor meinem Gesicht. Ich versuchte, ihn mit einer Handbewegung zu ignorieren und ihm zu zeigen, dass ich beschäftigt war. Doch er ließ nicht locker. Widerwillig nahm ich meine Kopfhörer heraus. Er erklärte mir daraufhin, ich würde falsch boxen, und fragte, ob er mir zeigen solle, wie ich meine Technik verbessern könne. Ich lehnte höflich ab. Zwei Stunden später schrieb er mir jedoch über die sozialen Medien und fragte, ob ich mit ihm etwas trinken gehen wolle.“

Abschließend richtet sie eine klare Botschaft an Männer:

„Wer glaubt, Frauen gingen ins Fitnessstudio, damit man sie dort ansprechen kann, irrt sich. Das tun wir nicht. Meistens möchten wir einfach nur etwas für uns selbst tun und dabei ein wenig Ruhe genießen. Bitte lasst uns genau das – mehr verlangen wir gar nicht.“

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