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Steidl Verlag in finanzieller Krise: Insolvenzverfahren eröffnet – Gespräche mit Investoren laufen


Von Veröffentlicht am 2026/07/20 14:40
Steidl Verlag in finanzieller Krise: Insolvenzverfahren eröffnet – Gespräche mit Investoren laufen
Juni. 20, 2026
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Der international renommierte Steidl Verlag in Göttingen, einer der angesehensten Kunst- und Fotobuchverlage der Welt, befindet sich in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Das Amtsgericht Göttingen hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet – ein Schritt, der in der deutschen Verlags- und Kulturszene große Aufmerksamkeit erregt.

Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wurde das Verfahren auf Antrag eines Gläubigers eröffnet. Dabei handelt es sich um die Minijob-Zentrale Göttingen, die ausstehende Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von rund 2.500 Euro geltend gemacht hatte.

Das Gericht bestellte daraufhin einen vorläufigen Insolvenzverwalter aus einer auf Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei mit Standorten unter anderem in Braunschweig und Hannover. Nach Angaben der Kanzlei dienen Insolvenzanträge dieser Art häufig als rechtliches Druckmittel, um offene Forderungen durchzusetzen. Der ausstehende Betrag sei inzwischen beglichen worden, sodass dieses Verfahren voraussichtlich beendet werden könne.

Die finanziellen Schwierigkeiten des Verlages gehen jedoch über diesen Einzelfall hinaus. Nach Informationen des NDR bestehen weitere offene Forderungen. Hinzu kommen wiederholte Verzögerungen bei der Auszahlung von Gehältern.

Ein Göttinger Rechtsanwalt erklärte, seit 2024 habe er in rund zwei Dutzend arbeitsgerichtlichen Verfahren Beschäftigte des Verlages vertreten. In einigen Fällen hätten Mitarbeiter bis zu sechs Monate auf ihr Gehalt warten müssen, während einzelne Forderungen weiterhin offen seien.

Das Arbeitsgericht bestätigte jedoch, dass der Verlag die ausstehenden Löhne letztlich stets gezahlt habe – wenn auch mit erheblicher Verzögerung.

Verlagsgründer Gerhard Steidl räumte die wirtschaftlichen Probleme ein. Die Lage im Buchmarkt sei derzeit äußerst schwierig, erklärte er, und viele Verlage stünden unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Sein Anwalt betonte zugleich, Steidl begegne der Situation mit Gelassenheit und sehe die Zukunft des Verlages nicht grundsätzlich gefährdet.

Nach Angaben des Rechtsanwalts führt Steidl derzeit konkrete Gespräche mit potenziellen Investoren. Ziel sei es, die Verhandlungen bis Ende August erfolgreich abzuschließen.

Gerhard Steidl gründete den Verlag im Jahr 1969. Seither entwickelte sich das Unternehmen zu einer der weltweit renommiertesten Adressen für Kunst- und Fotobücher. Internationale Anerkennung erlangte der Verlag durch seine außergewöhnliche Druckqualität, höchste handwerkliche Standards und kompromisslose Liebe zum Detail.

Zu den Autoren und Künstlern des Hauses zählen unter anderem der Literaturnobelpreisträger Günter Grass sowie zahlreiche international bekannte Fotografen und Künstler. Auch der Modeschöpfer Karl Lagerfeld ließ die Plakate seiner Pariser Modenschauen bei Steidl drucken und bezeichnete Gerhard Steidl einst als den „besten Drucker der Welt“ – ein Prädikat, das den außergewöhnlichen Ruf des Verlages bis heute prägt.

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