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Blindtest überrascht: Fleischersatz schmeckt oft genauso gut wie echtes Fleisch


Von Noor Al-Sibai Veröffentlicht am 2026/07/10 05:20
Blindtest überrascht: Fleischersatz schmeckt oft genauso gut wie echtes Fleisch
Juni. 10, 2026
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In einem Blindverkostungstest wurden Tausenden von Teilnehmern Fleischersatzprodukte gemeinsam mit echtem Fleisch serviert. Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt – Flexitarier und Fleischesser – und sollten bewerten, welches Produkt ihnen besser schmeckte. Die Ergebnisse fielen überraschend deutlich aus.

Neue Ergebnisse einer Umfrage der gemeinnützigen Organisation NECTAR, die alternative Proteinprodukte erforscht, legen nahe, dass unsere Vorlieben für echtes oder pflanzliches Fleisch möglicherweise stärker von unseren Erwartungen als von unseren Geschmacksknospen bestimmt werden.

Betrachtet man die Gesamtergebnisse, bevorzugte die Mehrheit der 2.684 Studienteilnehmer die jeweils angebotenen tierischen Vergleichsprodukte gegenüber den pflanzlichen Alternativen. Verglichen wurden unter anderem Würstchen, Burger, Speck sowie verschiedene Aufschnittprodukte.

Berücksichtigt man jedoch die erheblichen Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Marken – ein Umstand, den viele Verbraucher seit den ersten Wellen pflanzlicher Ersatzprodukte Anfang der 2010er-Jahre kennen –, ergibt sich ein deutlich differenzierteres Bild. So bewerteten beispielsweise 60 Prozent der Teilnehmer die ungewürzten pflanzlichen „Hähnchenstücke“ von Impossible Foods als genauso gut oder sogar besser als echtes Hähnchenfleisch von Purdue. Für eine Branche, die in den vergangenen Jahren immer wieder unter Kritik und gezielten Kampagnen der Fleischindustrie stand, ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.

Experten, die mit Vox sprachen, betonen, dass beim Essen der Kopf oft eine ebenso große Rolle spielt wie der Geschmackssinn. Der Verhaltenswissenschaftler Daniel Rosenfeld von der University of California, Los Angeles (UCLA), der die Wahrnehmung pflanzlicher Lebensmittel erforscht, erklärte:

„Menschen bewerten Lebensmittel nicht völlig objektiv.“

Bereits 2023 veröffentlichte Rosenfeld gemeinsam mit anderen Forschern eine Studie, die zeigte, dass sogenannte „überzeugte Fleischesser“ – also Menschen, die den Fleischkonsum als selbstverständliches Recht ansehen – deutlich häufiger erwarten, dass pflanzliche Alternativen schlecht schmecken.

Nach Ansicht des Forschers beeinflussen gesellschaftliche Normen maßgeblich, wie Menschen pflanzliche Lebensmittel wahrnehmen. Es sei leicht, sich etwa den stereotypen amerikanischen Mann vorzustellen, der sich öffentlich über Fleischersatz lustig macht und Speck als Inbegriff guten Geschmacks feiert. Ebenso leicht lasse sich aber vorstellen, dass genau dieser Mensch einen schmackhaften pflanzlichen Burger genießt, solange ihm niemand verrät, dass er nicht aus tierischem Fleisch besteht.

Rosenfeld sagt:

„Sobald sich gesellschaftliche Normen rund um ein Produkt etabliert haben, ist es äußerst schwierig, diese Grundeinstellung zu verändern. Menschen orientieren sich gern an dem, was als normal oder weit verbreitet gilt. Wir sind von Natur aus sehr anpassungsfähig.“

Die Ergebnisse des Blindtests zeigen, dass Vorurteile und negative Erwartungen gegenüber Fleischalternativen einen erheblichen Einfluss darauf haben können, wie Menschen deren Geschmack wahrnehmen. Wer bereits davon ausgeht, dass pflanzlicher Fleischersatz schlecht schmeckt, wird ihn mit größerer Wahrscheinlichkeit auch entsprechend bewerten – selbst wenn die Qualität des Produkts überzeugt.

Damit unterstreicht die Untersuchung, wie wichtig es ist, bestehende Vorurteile gegenüber Fleischalternativen zu hinterfragen und qualitativ hochwertige Produkte stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Denn moderne Fleischersatzprodukte können in Geschmack und Konsistenz durchaus mit herkömmlichem Fleisch konkurrieren.

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