Scheidung in den USA: Wenn das Ehe-Aus zur finanziellen Belastungsprobe wird
Von Emily Lorsch Veröffentlicht am
2026/07/09 08:34
Juni. 09, 2026
Eine Scheidung bedeutet für viele Menschen nicht nur das Ende einer Beziehung, sondern oft auch einen tiefen wirtschaftlichen Einschnitt. Neben den emotionalen Folgen kann die Trennung erhebliche finanzielle Belastungen mit sich bringen – von Anwaltskosten über Gerichtsverfahren bis hin zur Neuorganisation des gesamten Alltags. In den USA, wo die Scheidungszahlen weiterhin hoch sind, kann das Ende einer Ehe schnell zu einer der teuersten Entscheidungen im Leben werden.
Im Jahr 2021 wurden in den 45 US-Bundesstaaten, die entsprechende Daten erfassten, rund 700.000 Scheidungen registriert – darunter prominente wie auch nicht prominente Paare. Im selben Zeitraum wurden etwa zwei Millionen Ehen geschlossen.
Laut Elizabeth Douglas, Gründerin und Geschäftsführerin der New Yorker Familienrechtskanzlei Douglas Family Law Group, kostet eine einvernehmliche Scheidung im Durchschnitt zwischen 1.500 und 5.500 US-Dollar. Handelt es sich dagegen um ein streitiges Verfahren, können sich die Kosten auf 40.000 bis 140.000 US-Dollar belaufen. Kommt der Fall vor Gericht, steigen die Ausgaben häufig noch deutlich darüber hinaus.
„Je komplexer der Fall ist, desto mehr Arbeitsstunden fallen an – für Anwälte, Gutachter, Unternehmensbewerter, Spezialisten zur Aufspürung von Kryptowährungen, forensische Experten, Wirtschaftsprüfer oder forensische Psychologen“, erklärt Douglas.
Massive finanzielle Veränderungen
Mit einer Scheidung gehen weitreichende Veränderungen im Leben einher – allen voran finanzielle. Aus einem gemeinsamen Haushalt werden zwei separate Haushalte. Entsprechend verdoppeln sich häufig die Ausgaben für Strom, Internet, Kabelanschluss, Lebensmittel, Fahrzeuge sowie Miete oder Hypothek.
Hinzu kommen Umzugskosten, die Anschaffung neuer Möbel, die Einrichtung eigener Versorgungsverträge, eine getrennte Steuererklärung, die Aufteilung der Krankenversicherung und gegebenenfalls der Verkauf gemeinsamer Immobilien. All dies markiert oft erst den Beginn der finanziellen Herausforderungen.
Die Belastung kann sich zudem auf das Berufsleben auswirken. Arbeitsausfälle, psychologische Betreuung oder zusätzliche Kinderbetreuung verursachen weitere Kosten. Sind Kinder betroffen, kommen häufig langwierige und teure Sorgerechtsverfahren hinzu.
Ein Sorgerechtsstreit mit hohen Kosten
John Norman arbeitete mehr als 20 Jahre im Polizeidienst und ging 2019 – im Jahr seiner Trennung – in den Ruhestand. Er lebte mit seiner damaligen Ehefrau in Ithaca im Bundesstaat New York.
„Wir gerieten in einen völlig unnötigen Sorgerechtsstreit. Ich musste einen Sachverständigen beauftragen und war ein ganzes Jahr von meinen Kindern getrennt“, berichtet Norman.
Nach seiner Schätzung kostete ihn der Rechtsstreit zwischen 172.799 und 191.000 US-Dollar. Noch heute schuldet er 120.929 US-Dollar, darunter 39.747 US-Dollar an Kreditkartenschulden.
Vor der Scheidung seien finanzielle Probleme für seine Familie kein Thema gewesen. „Wir hatten genügend Geld. Wir kauften sogar ein Boot für die Kinder. Doch der Sorgerechtsstreit hat schließlich sämtliche Ersparnisse aufgezehrt“, sagt Norman.
Wie lassen sich Scheidungskosten begrenzen?
Auch wenn sich eine Scheidung nicht immer vermeiden lässt, gibt es Möglichkeiten, ihre finanziellen Folgen deutlich zu reduzieren.
Eine Option sind Eheverträge. Anwältin Douglas betrachtet sie sogar als Ausdruck von Verantwortung. „Man kann den Menschen, den man liebt, schützen – bevor aus Liebe möglicherweise Konflikte entstehen. Ein Ehevertrag schafft Klarheit und kann beiden Seiten später viel Geld sparen.“
Auch Norman zieht aus seiner Erfahrung eine Lehre: „Der beste Rat, den ich geben kann, lautet: Über die Bedingungen einer möglichen Trennung verhandelt man am besten dann, wenn man sich noch liebt – nicht erst, wenn der Konflikt eskaliert ist.“
Letztlich sollte jedoch niemand aus rein finanziellen Gründen in einer unglücklichen Ehe bleiben. Auch wenn eine Trennung kostspielig sein kann, stehen Betroffenen Beratungsangebote, Hilfsorganisationen und verschiedene rechtliche Möglichkeiten zur Verfügung, um den Übergang zu erleichtern.
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