363.000 Plastikpartikel gelangen durch eine Tasse Kaffee in Ihren Körper
Von Victor Tangermann Veröffentlicht am
2026/07/04 15:10
Juni. 04, 2026
Mikroplastik – winzige Kunststoffpartikel mit einer Größe zwischen einem Mikrometer und fünf Millimetern – ist heute in nahezu jedem Winkel der Natur zu finden. Inzwischen hat es auch den menschlichen Körper erreicht: Studien haben Spuren davon in Arterien, Fortpflanzungsorganen und sogar im Gehirn nachgewiesen.
Der Forscher Xiangyu Liu und sein Team von der Griffith University kommen in einer in der Fachzeitschrift Journal of Hazardous Materials: Plastics veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass weit verbreitete Einwegbecher – darunter die allgegenwärtigen Coffee-to-go-Becher – beim Erhitzen erhebliche Mengen an Mikroplastik freisetzen können. Genau dies geschieht jedes Mal, wenn ein heißes Getränk in einen solchen Becher gegossen wird.
Liu erklärte in einem Beitrag zu der Studie, dass die Freisetzung von Mikroplastik grundsätzlich zunimmt, je höher die Temperatur der Flüssigkeit im Becher ist.
Nach der Auswertung von 30 begutachteten wissenschaftlichen Studien stellten die Forschenden fest, dass je nach Material und Versuchsaufbau zwischen einigen Hundert und mehr als acht Millionen Mikroplastikpartikel pro Liter freigesetzt werden können.
Hitze als Hauptverursacher
Das Forschungsteam führte zudem einen praktischen Versuch mit 400 Kaffeebechern und Flüssigkeiten unterschiedlicher Temperaturen durch – von eisgekühlten fünf Grad Celsius bis hin zu heißen 60 Grad Celsius. Das Ergebnis zeigte, dass die Temperatur einen enormen Einfluss auf die Menge der freigesetzten Mikroplastikpartikel hat.
Dabei stellte sich heraus, dass die Dauer, die ein Getränk im Becher verbleibt, deutlich weniger Einfluss hat als die Temperatur der Flüssigkeit in dem Moment, in dem sie erstmals mit dem Kunststoff in Berührung kommt. Außerdem gaben papierbasierte Becher mit Kunststoffbeschichtung unabhängig von der Temperatur weniger Mikroplastik ab als vollständig aus Kunststoff gefertigte Becher.
Den Berechnungen zufolge kann bereits der Konsum von nur zehn Unzen (295 Millilitern) heißen Kaffees aus einem vollständig aus Kunststoff bestehenden Becher dazu führen, dass eine Person jährlich rund 363.000 Mikroplastikpartikel aufnimmt.
Fragen zur Zuverlässigkeit der Ergebnisse
So alarmierend diese Zahlen auch erscheinen mögen, gibt es wichtige Vorbehalte, die berücksichtigt werden sollten, bevor man seine morgendliche Kaffeeroutine grundsätzlich infrage stellt. Wie Liu betont, ist bislang nicht bekannt, wie lange diese Partikel tatsächlich im menschlichen Körper verbleiben.
Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die exakte Messung der Mikroplastikmenge im menschlichen Körper äußerst schwierig ist. In diesem Zusammenhang veröffentlichte die Zeitung The Guardian eine Recherche, die Zweifel an mehreren jüngeren Studien zum Nachweis von Mikroplastik im Körper aufwirft. Fachleute wiesen darauf hin, dass die Ergebnisse möglicherweise durch Verunreinigungen der Proben während der Analyse entstanden sein könnten, was eine breite Debatte über die Aussagekraft dieser Untersuchungen ausgelöst hat.
Mit anderen Worten: Ein Teil der alarmierenden Studien könnte auf falsch positiven Ergebnissen beruhen. Dies verdeutlicht, wie wenig bislang über die tatsächlichen gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik bekannt ist. Gegenüber The Guardian erklärte der Chemiker Roger Coleman: „Das zwingt uns dazu, praktisch alles neu zu bewerten, was wir über Mikroplastik im menschlichen Körper zu wissen glaubten – und es zeigt sich, dass dieses Wissen äußerst begrenzt ist. Viele Forschende stellen außergewöhnliche Behauptungen auf, ohne dafür ausreichende Belege vorzulegen.“
Tipps zur Vorbeugung und sichere Alternativen
Dennoch ist Liu der Ansicht, dass es sinnvoll ist, sich der möglichen Quellen von Mikroplastik im Alltag bewusst zu sein, bis die Wissenschaft klarere Antworten liefert. Er empfiehlt daher:
Für heiße Getränke: Am besten eignen sich wiederverwendbare Becher aus Edelstahl, Keramik oder Glas, da diese Materialien keine Mikroplastikpartikel freisetzen.
Wenn Einwegbecher unvermeidbar sind: Studien zeigen, dass papierbasierte Becher mit Kunststoffbeschichtung weniger Mikroplastik freisetzen als vollständig aus Kunststoff gefertigte Becher – auch wenn beide nicht völlig frei davon sind.
Kochend heiße Flüssigkeiten vermeiden: Da hohe Temperaturen die Freisetzung von Mikroplastik fördern, sollte man möglichst keine kochenden Flüssigkeiten direkt in kunststoffbeschichtete Behälter gießen.
Abschließend erklärte Liu: „Wenn wir verstehen, wie Wärme mit den verwendeten Materialien interagiert, können wir bessere Produkte entwickeln und klügere Entscheidungen treffen, um unseren täglichen Koffeingenuss sicherer zu machen.“
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